Impressum, Datenschutz, Wartung: der unsichtbare Teil Ihrer Website
Kein Kunde ruft an, weil Ihr Impressum vollständig ist. Aber genau hier entstehen Kosten, wenn etwas fehlt. Und hier entscheidet sich, ob die Seite in drei Jahren noch etwas taugt.
Die Website ist online, die Referenzen stehen, das Formular funktioniert. Damit ist der Teil erledigt, den man sieht. Der Teil, den niemand sieht, entscheidet darüber, ob Sie Post von einem Anwalt bekommen, und ob die Seite in zwei Jahren noch stimmt.
Beides ist unspektakulär und beides ist in überschaubarer Zeit erledigt, wenn man weiß, worauf es ankommt.
Das Impressum: vollständig oder gar nicht
Jede geschäftsmäßige Website in Deutschland braucht ein Impressum. Die Pflicht steht seit 2024 im Digitale-Dienste-Gesetz, davor im Telemediengesetz. An den Anforderungen hat sich wenig geändert. Es muss von jeder Seite aus mit einem Klick erreichbar sein und darf nicht hinter Grafiken versteckt werden.
Was hineingehört:
Punkt fünf wird am häufigsten vergessen. Wer ein zulassungspflichtiges Handwerk betreibt (Zimmerer, Dachdecker, Elektrotechniker, Maler und viele weitere), muss Berufsbezeichnung und Kammer nennen. Ein Impressum, das ansonsten korrekt ist, wird ohne diese Angabe angreifbar.
Die Datenschutzerklärung muss zu Ihrer Seite passen
Der häufigste Fehler ist ein kopiertes Muster. Solche Texte beschreiben Dienste, die auf Ihrer Seite gar nicht laufen, und verschweigen die, die tatsächlich laufen. Beides ist ein Problem, denn die Erklärung muss beschreiben, was bei Ihnen wirklich passiert.
Konkret heißt das: Wer ein Kontaktformular betreibt, muss sagen, was mit den Daten geschieht und wie lange sie aufbewahrt werden. Wer eine Karte einbindet, ein Video oder einen Newsletter-Dienst, muss diese benennen. Und wer nichts davon tut, braucht auch keine drei Seiten Text über Dienste, die er nie eingesetzt hat.
Faustregel: Wenn Sie die Datenschutzerklärung Ihrer Seite lesen und dort etwas steht, das Sie nicht wiedererkennen, stimmt sie nicht.
SSL ist keine Kür mehr
Ohne Verschlüsselung zeigen Browser eine Warnung an, bevor der Besucher überhaupt etwas gesehen hat. Spätestens beim Kontaktformular ist die verschlüsselte Übertragung ohnehin Pflicht: dort werden personenbezogene Daten übertragen.
Prüfen können Sie das in zwei Sekunden: Steht in der Adresszeile Ihres Browsers „https://" und kein durchgestrichenes Schloss, ist alles in Ordnung. Ein Zertifikat kostet heute nichts mehr und ist bei jedem seriösen Hoster enthalten.
Die stillen Drittanbieter
Hier liegt das eigentliche Risiko, und es ist den meisten Betrieben nicht bewusst. Viele Websites laden Schriften, Karten oder Videos direkt von externen Servern nach. Damit fließt die IP-Adresse jedes Besuchers dorthin ab, ohne dass jemand zugestimmt hätte, und oft in Länder außerhalb der EU.
Bekannt geworden ist das durch ein Urteil des Landgerichts München I aus dem Jahr 2022 zu Schriftarten, die dynamisch von einem Google-Server geladen wurden. Danach folgte eine Welle von Abmahnschreiben, die kleine Betriebe genauso traf wie große Unternehmen.
Die Lösung ist unspektakulär: Schriften lokal ablegen statt nachladen. Karten und Videos erst einbinden, wenn der Besucher darauf klickt. Danach verlässt beim Aufruf Ihrer Seite kein Datenpaket mehr das Haus, und Sie brauchen für diese Dienste auch keine Einwilligung.
Das Cookie-Banner: weniger ist richtiger
Ein Einwilligungsbanner ist nötig, sobald etwas auf dem Gerät des Besuchers gespeichert oder ausgelesen wird, das für den Betrieb der Seite nicht zwingend erforderlich ist. Für viele Handwerks-Websites trifft das auf gar nichts zu. Dann ist das Banner überflüssig und stört nur.
Wenn Sie eines brauchen, muss es funktionieren: Ablehnen genauso einfach wie Zustimmen, und vor allem darf vor der Zustimmung nichts geladen werden. Ein Banner, das erscheint, während die Zählpixel längst laufen, ist schlimmer als keines: es dokumentiert den Verstoß.
Zahlen: messen, ohne zu tracken
Sie sollten wissen, welche Seiten Besucher bekommen und über welche Suchbegriffe sie kommen. Das geht auch ohne Google Analytics: es gibt Statistik-Werkzeuge, die anonym auswerten und deshalb ohne Einwilligung auskommen. Der Vorteil ist doppelt: kein Banner nötig, und Sie sehen alle Besucher statt nur derer, die zugestimmt haben.
Ein Wort zu A/B-Tests, die in Ratgebern gern empfohlen werden: Für einen Handwerksbetrieb mit einigen hundert Besuchern im Monat sind sie sinnlos. Bis eine Variante statistisch belastbar besser abschneidet, ist ein halbes Jahr vergangen. Nutzen Sie stattdessen die Rückmeldungen aus dem Telefonhörer: welche Frage kommt immer wieder? Die Antwort gehört auf die Website.
Zweimal im Jahr eine Stunde
Technische Wartung (Updates, Backups, Erreichbarkeit) sollte Ihr Dienstleister übernehmen. Die inhaltliche Pflege kann Ihnen niemand abnehmen, sie kostet aber wenig Zeit, wenn Sie sie nicht schleifen lassen.
Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird am seltensten gemacht. Schicken Sie einmal im Halbjahr eine Testanfrage über Ihr eigenes Formular ab. Kaputte Formulare fallen sonst erst auf, wenn ein Kunde anruft und fragt, warum sich niemand gemeldet hat.
Was davon dringend ist
Wenn Sie nur eine Sache aus diesem Beitrag mitnehmen: Prüfen Sie, ob Ihre Seite Schriften oder Karten von fremden Servern nachlädt. Das ist der Punkt mit dem konkretesten Risiko und gleichzeitig der, den man am schnellsten behebt.
Alles andere ist Fleißarbeit: Impressum vervollständigen, Datenschutzerklärung an die eigene Seite anpassen, zweimal im Jahr eine Stunde Pflege. Zusammen ist das weniger Aufwand als eine einzige Antwort auf ein Abmahnschreiben.
Dieser Beitrag fasst zusammen, worauf wir in Projekten achten. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Fall hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für IT-Recht weiter.
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